Porträt
Der Eisvogel, Vogel des Jahres 2006 des Schweizer Vogelschutzes
SVS/BirdLife Schweiz, ist ein wahres Juwel unter unseren einheimischen
Vogelarten. Dank seiner hübschen Erscheinung und seiner faszinierenden
Lebensweise ist er so populär und beliebt wie kaum eine andere
Vogelart und doch ist sein Bestand in der Schweiz bedroht.
Der SVS setzt sich im Rahmen seiner Kampagne Biodiversität
für den Erhalt seiner Lebensräume und die Neuschaffung
von Nistgelegenheiten ein.
Das Juwel
Der Eisvogel gehört zweifellos zu den attraktivsten und auffälligsten
Vogelarten Mitteleuropas. Da ist einmal seine auffällige Gestalt
mit dem grossen Kopf, dem langen Schnabel und dem kurzen Schwanz.
Vor allem aber beeindruckt der Eisvogel durch seine Färbung: Die
leuchtend rot-orange Unterseite, der blaugrün gefärbte Oberkopf,
die Flügel und der Schwanz und besonders auffällig, vor allem
auch im Flug der leuchtend türkisfarbene Rückenstreif. Wer schon
einmal das Glück hatte, einen Eisvogel in freier Natur zu beobachten,
wird nicht erstaunt sein, dass seine nächsten Verwandten vorwiegend
in den Tropen leben.
Der bedrohte Fischer
Der Eisvogel ernährt sich fast ausschliesslich von Fischen. Diese
erbeutet er, indem er sich von einer Warte aus kopfüber ins Wasser
stürzt. Die Beute wird anschliessend mit dem Kopf voran heruntergeschluckt.
Pro Tag benötigt der Eisvogel 14-25 kleine Fische von 4 bis 8 Zentimetern
Länge. Er bevorzugt dabei keine bestimmte Fischart, sondern erbeutet
die häufigsten oder die am leichtesten zu erbeutenden Arten seines
Lebensraumes. Die unverdaulichen Fischknochen werden als Gewöll
wieder ausgewürgt. Der Eisvogel wurde früher als Fischräuber verfolgt,
gehört heute aber zu den geschützten Arten. Er ist im Rahmen des
Artenförderungsprogrammes Vögel Schweiz eine der 50 Prioritätsarten.
Bedrohter
Lebensraum
Das ganze Jahr über besiedelt der Eisvogel mässig schnell fliessende
oder stehende Gewässer wie Bäche, Flüsse, Altarme, Stauseen, Kiesgrubenweiher
und Seen. Die wichtigsten Anforderungen an seinen Lebensraum sind
ein reicher Kleinfischbestand, klares Wasser und genügend Sitzwarten
wie ¥ste, Schilf oder Steine. Im Sommer ist er zudem auf ungestörte,
offene Steilwände als Brutwände angewiesen. Das Kanalisieren von
Bächen und Flüssen und die Gewässerverschmutzung brachten den Eisvogel
auf die Rote Liste. Die Zerstörung seiner Lebensräume ist die wichtigste
Gefährdungsursache. Der Schutz des Eisvogels und seiner Lebensräume
ist dringlich. Bestehende Lebensräume und Brutwände müssen unbedingt
erhalten werden.
Höhle als Kinderstube
Um seine Jungen aufzuziehen, gräbt der Eisvogel 40-80 Zentimeter
lange, leicht ansteigende Brutröhren in senkrechte, offene Steilwände.
Der Nistplatz liegt idealerweise direkt am Wasser, manchmal aber
bis zu einem Kilometer davon entfernt. Ganz zuhinterst in der Röhre,
in einem ausgeweiteten Brutkessel, legt das Weibchen 4-6 Eier und
brütet diese während etwa 3 Wochen aus. Die Jungvögel verlassen
die Brutröhre nach 23-28 Tagen und werden danach noch einige Tage
von den Altvögeln gefüttert. Zwei bis drei Bruten im Jahr ermöglichen
es dem Eisvogel, Verluste durch Hochwasser und kalte Winter rasch
auszugleichen. Die erste Brut beginnt oft schon Anfang März. Menschliche
Störungen in der Nähe der Brutwand stellen ein grosses Problem dar
und können zur Aufgabe einer Brut führen.
Schutz von Lebensräumen
Wichtig für den Eisvogelschutz ist, dass Lebensräume mit einer
eigenen Dynamik erhalten bleiben oder neu geschaffen werden. Hochwasser
sollen wieder Prallhänge anreissen, Kiesbänke aufschütten und Altläufe
bilden können. Dazu brauchen Gewässer viel Raum. Raum wird, wie
jüngste Erfahrungen gezeigt haben, auch im Hochwasserschutz immer
wichtiger. Überhaupt kann im Rahmen des Hochwasserschutzes viel
für den Eisvogel und den Erhalt seiner Lebensgrundlagen getan werden.
Steilwände über der Hochwasserlinie, Buhnen, neugeschaffene Flachwasserzonen,
Störsteine im Wasser, Raubäume und ingenieurbiologische Massnahmen,
die für Unterstände und für Bewuchs der Ufer sorgen, bieten nicht
nur Nistmöglichkeiten und Warten für den Eisvogel, sondern auch
Lebensräume für die Fischfauna.
Bau
von Brutwänden
Geeignete Brutwände für den Eisvogel sind heutzutage rar. Der Eisvogel
nimmt aber künstlich abgegrabene, sandig-lehmige Brutwände gerne
an, sofern sie in einem potenziellen Bruthabitat liegen, etwa 3-5
Meter breit sind und mindestens 1,5 Meter über den Hochwasserspiegel
ragen. Künstlich hergestellte Brutwände samt Niströhren sollten
gut in die Umgebung eingepasst werden, damit sie keinen Anziehungspunkt
für Menschen und Tiere bilden.
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