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Das Smaragd-Netzwerk

 

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1. Was ist Smaragd?

Pflanzen und Tiere kennen keine Landesgrenzen. Gerade ziehende Arten und sehr mobile Arten wie Vögel sind auf einen grenzüberschreitenden Schutz ihrer Lebensräume angewiesen.

Das Programm "Smaragd" beabsichtigt deshalb, länderübergreifend ein gesamteuropäisches Netzwerk von Schutzgebieten (dt: Smaragdnetzwerk, franz.: Réseau Emeraude, engl.: Emerald Network) aufzubauen.

Neu am Netzwerk Smaragd ist, dass die Erhaltung der Biodiversität nicht nur auf nationaler Ebene betrachtet wird, sondern das Ziel des Smaragdnetzes ist die Erhaltung der Artenvelfalt auf europäischem Niveau: es sollen Schutzgebiete für Arten und Lebensräume geschaffen werden, die europaweit – und nicht in erster Linie auf nationaler Ebene – gefährdet sind und für die ein Land eine europäische Verantwortung hat.

Lanciert wurde die Idee eines gesamteuropäischen Netzwerks 1989 vom Ständigen Ausschuss der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, 1979). Deutscher Text Berner Konvention mit Anhängen: http://www.admin.ch/ch/d/sr/c0_455.html).
Die Umsetzung dieser Idee erfolgt jedoch in EU- und Nicht-EU-Ländern unterschiedlich. Das Programm, mit dem die Idee eines paneuropäischen Schutzgebiets-Netzwerks in den EU-Staaten umgesetzt wird, nennt sich "Natura 2000", das analoge Programm für Nicht-EU-Staaten ist "Smaragd".

 



2. Umsetzung des Smaragdnetzwerks

Die Umsetzung des Smaragdnetzwerks beinhaltet folgende Phasen:

  1. Erstellen der Listen der relevanten Tier-und Pflanzenarten

  2. Verbreitung der relevanten Arten eruieren

  3. Ausscheiden von Schutzgebieten für diese Arten

1989 wurden mit der «Recommandation No. 16» des Europarats die Bedingungen für diese Smaragd-Gebiete festgelegt. 1996 verabschiedete der Ständige Ausschuss der Berner Konvention die Resolution No. 3, mit der die Schaffung dieses Netzwerks von Schutzgebieten definitiv beschlossen wurde.
Um Smaragd-Gebiete einfacher identifizieren zu können, hat der Ständige Ausschuss der Berner Konvention eine Liste der natürlichen Lebensräume und bedrohten Arten in Europa erstellt. In der Schweiz existieren 149 Arten und 34 natürliche Lebensräume, die in Europa bedroht sind.

 

2.1. Stand der Umsetzung des Smaragdnetzwerks in der Schweiz

Das Schweizerische Zentrum für die Kartierung der Fauna (SZKF) hat in Aufträgen des WWF Schweiz und des Bundesamts für Umwelt BAFU im Jahre 2001 die für die Schweiz verfügbaren Daten analysiert und Schweizer Kandidaten für das Smaragd-Netzwerk definiert.

An einer gemeinsamen Medienkonferenz haben am 24. Oktober 2002 WWF (World Wide Fund for Nature) und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz die Schweizer Karte der Smaragd-Gebiete (siehe unten) vorgestellt. Für die Vögel gelten dabei die hellgrünen Bereiche, die dunkelgrünen Bereiche wurden für andere Organismengruppen ausgeschieden.

Die eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Behörden sind aufgefordert, die sogenannten Kandidatengebiete näher zu untersuchen, räumlich abzugrenzen und die nötigen Massnahmen für den Schutz und die Vernetzung der Lebensräume und Arten von europäischer Bedeutung in der Schweiz zu ergreifen. 2009 sollen die ersten Smaragd-Gebiete der Schweiz an den Europarat gemeldet werden.

Am 22. Oktober 2009 hat der Bund eine erste Serie von 37 Smaragd-Gebieten beim Europarat angemeldet. Dieser muss nun entscheiden, ob diese Gebiete ins Smaragd-Netzwerk aufgenommen werden und den offiziellen Status erhalten.

Seiten BAFU mit der Beschreibung der 37 Gebiete >>>

Der WWF Schweiz und der Schweizer Vogelschutz begrüssen diesen ersten Schritt, kritisieren aber die Auswahl der Gebiete. Alle ausser einem sind schon Schutzgebiete. Wichtig wäre aber vor allem, die international wertvollen Gebiete, die noch nicht unter Schutz stehen, ins Smaragd-Netzwerk aufzunehmen und ihnen dadurch einen Schutzstatus zu verleihen. Auch decken diese 37 Gebiete erst wenige schützenswerte Lebensräume und Arten ab (Vergleich dazu Karte unten mit den 139 vorgeschlagenen Kandidatsgebieten von WWF und SVS).

Stellungnahme WWF und SVS zu dieser Gebietsauswahl (Medienmitteilung vom 22. Oktober 2009) >>>



3. Die Smaragd-Vogelarten der Schweiz

Für die Auswahl der relevanten Smaragdarten der Schweiz wurde ein neues Selektionsverfahren angewandt, dass nicht mehr alleine das Aussterberisiko einer Art aus unserem Land (wie es die Roten Listen dokumentieren) berücksichtigt, sondern was eine Bestandesabnahme einer Vogelart für das europa- oder sogar weltweite Vorkommen bewirkt. Schema des Selektionsverfahrens: pdf 60 kb

Zwei Beispiele:

Das Birkhuhn steht als "Potenziell gefährdet" zwar nicht auf der Roten Liste, doch beherbergt unser Land einen grossen Teil des mitteleuropäischen Bestandes. Deshalb ist das Birkhuhn eine Smaragd-Art.

 

Der Rotmilan wird sogar als "nicht gefährdet" beurteilt, doch die Schweiz ist europaweit eines der wenigen Ländern, das von dieser Greifvogelart einen grossen und zunehmenden Bestand beherbergt; sie trägt damit für den Rotmilan eine grosse Verantwortung als Smaragd-Art.


3.1. Liste der Smaragd-Vogelarten der Schweiz




4. Wie geht es weiter mit dem Smaragdnetzwerk für Vögel in der Schweiz?

 

Von den 59 Smaragd-Vogelarten, die für die Schweiz relevant sind, sind nur für deren 38 auch wirklich Schutzgebiete nötig und sinnvoll.

Im Rahmen des Projektes Important Bird Areas (IBA) hat BirdLife International 29 wichtige Vogelarten für die Schweiz definiert. Diese für die Schweiz relevanten IBA-Arten entsprechen einem grossen Teil der 38 wichtigsten Smaragd-Vogelarten. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte Sempach haben 31 IBA-Gebiete ausgeschieden, die für den Schutz der IBA-Arten relevant sind. Diese IBAs decken zudem auch gute Bestände der übrigen 9 Smaragd-Arten ab. Deshalb können die IBAs bei der weiteren Umsetzung des Smaragd-Programms dazu verwendet werden, auch die Vögel in das funkelnde Netzwerk von Gebieten mit hoher Biodiversität zu integrieren.

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte setzen sich dafür ein, dass die IBAs ins Smaragd-Netz aufgenommen werden und dass die Schweiz ihre internationale Verantwortung voll wahrnimmt.

Auf dieser Karte sind die Gebiete eingezeichnet, die der SVS und der WWF als Smaragd-Gebiete vorschlagen. Hellgrüne Gebiete für die Vögel sind deckungsgleich mit den IBAs, dunkelgrüne Gebiete sind für die anderen Organismengruppen ausgeschieden worden:

 

  • Informationen zu den Smaragdgebieten des WWF Schweiz >>>

 

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der WWF Schweiz fordern eine umfassende Umsetzung der IBAs in der Schweiz zusammen mit den anderen Kandidatsgebieten für das Smaragd-Netzwerk. Dies heisst insbesondere:

  • Aufnahme der IBAs in das Smaragd-Netzwerk der Berner Konvention des Europarates.

  • Erarbeitung von Managementplänen für die zum Teil recht grossen Gebiete durch Bund und Kantone und in Zusammenarbeit mit den Gemeinden.

  • Anwendung neuer Mechanismen zur Förderung von Massnahmen in diesen international bedeutenden Naturvorranggebieten für Vögel.

  • Regelmässige Erfolgskontrolle der Massnahmen und Anpassung der Schutzstrategien.

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der WWF Schweiz bieten Hand zur Unterstützung. Der SVS und die Vogelwarte haben die Schweizer IBAs im Jahr 2000 in einer Fachpublikation vorgestellt (Der Ornithologische Beobachter 97:281-302). September 2008 haben der SVS und die Vogelwarte das Buch "Important Bird Areas IBA Schweiz Suisse Svizzera Switzerland" publiziert. Der erste Teil des Buches enthält die Entstehungsgeschichte der IBAs sowie die Liste der Kriterien, die zur Ausscheidung der Gebiete geführt haben. Der zweite Teil beschreibt alle IBAs der Schweiz mit aktualisierten Karten, Abbildungen und Listen der relevanten Vogelarten. Das Buch kann beim SVS bestellt werden.

 


Weitere Informationen zum Thema:

  • Informationen zu den Smaragdgebieten des WWF Schweiz >>>

  • Dossier Important Bird Areas IBAs >>>

 

 
     
 

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