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Hochstamm-Obstgärten – vielfältige Lebensräume

 

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Obstgärten mit einem lockeren Baumbestand und extensiv genutzten Mähwiesen, Viehweiden oder Pflanzgärten als Unterkultur bilden einen ganz besonderen Lebensraum für Tiere – eine savannen­ähnliche, halboffene Landschaft. In der Schweiz wurden 35 Brutvogelarten in Hochstamm-Obstgärten nachgewiesen, darunter auch 10 typische, regelmässige Obstgartenvögel.

Nester in Höhlen und auf Zweigen
Rund die Hälfte der Brutvögel des Obstgartens brütet in Baumhöhlen: Steinkauz, Wiedehopf, Wendehals, Grünspecht und andere Spechte oder Meisen. Sie alle benötigen dicke, kräftige Stämme oder ausfaulende Astlöcher von Hochstamm-Obstbäumen als Brutplätze. Grauschnäpper, Gartenbaumläufer und Gartenrotschwanz brüten in Nischen und Halbhöhlen. Rotkopfwürger, Distelfink und andere Finkenarten nisten in Astgabeln und gehören zu den Freibrütern.

Mahlzeit für Insektenfresser
Der vielfältige Obstgarten bietet ein reichhaltiges Angebot an Nahrung: Im Luftraum zwischen und über den Bäumen jagen Schwalben und Grauschnäpper nach Insekten.
Spechte, Kleiber und Baumläufer finden an den dicken Stämmen allerlei Kleintiere. Meisen und Finken suchen zur Brutzeit Raupen und andere Insekten im dichten Blattwerk. Exponierte Äste sind wichtig für Wartenjäger (z.B. Mäusebussard), während Wiedehopf und Drosseln am Boden nach Nahrung suchen. Kernobstbäume sind sowohl zur Futtersuche als auch zum Brüten besser geeignet.
Neben Vögeln bieten Obstgärten auch anderen Tieren Nahrung und Lebensraum: Fledermäusen (z.B. Abendsegler), Garten- und Siebenschläfern sowie unzähligen Insektenarten.

Biotopzerstörung bedroht Obstgartenvögel
Hochstamm-Obstgärten haben sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend verändert. Viele werden heute intensiver genutzt (4-6-malige Mahd, intensive Beweidung und starke Düngung). Dadurch finden viele Obstgartenvögel zu wenig geeignete Nahrung.

Weil sie nicht mehr rentieren, werden alte Bäume oft nicht ersetzt und manchmal werden ganze Obstgärten gerodet. Dadurch verlieren weitere Vogelarten ihren Lebensraum unwiederbringlich. Im Jahr 1951 zählte die Schweiz noch 14 Millionen Hochstamm-Obstbäume. Heute bereichern nur noch rund 2 Millionen dieser Imposanten Bäume unsere Landschaft.



SVS-Projekte zum Thema Hochstamm-Obstgärten: Vier Beispiele


Feuerbrand

In den letzten Jahren gewann die Krankheit Feuerbrand vermehrt an Einfluss auf die Situation der Hochstamm-Obstgärten. Im Jahr 2007 wurden wegen des Feuerbrands schweizweit 10000 Hochstamm-Obstbäume gefällt. der SVS setzt sich gemeinsam mit Partnern für einen Erhalt der Hochstamm-Obstgärten auch in Zeiten des Feuerbrands ein und präsentiert Massnahmen.

  • Feuerbrand: Grundlagenpapier, Forderungen und Links >>>


Trinationales Artenförderungsprogramm Steinkauz

Der SVS setzt sich im Artenschutz für einen typischen Bewohner der Hochstamm-Obstgärten ein, den Steinkauz.

  • Trinationales Artenförderungsprogramm Steinkauz >>>


Obstgarten Farnsberg

Das gross angelegte Projekt «Obstgarten Farnsberg» soll modellhaft zeigen, ob sich Obstgartenvögel im Rahmen der aktuellen Landwirtschaftspolitik fördern lassen – bei gleichzeitig existenzsicherndem Einkommen für die Bauern. Angestossen haben das vielversprechende Unternehmen der Schweizer Vogelschutz SVS und die Vogelwarte Sempach.

HOCHSTAMM SUISSE

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz setzt sich gemeinsam mit weiteren Umweltverbänden, Produzenten und Verarbeitern im Verein HOCHSTAMM SUISSE für die wirtschaftliche Besserstellung des Hochstammobstbaus und die Erhaltung und Förderung der Hochstammobstgärten in der Schweiz ein.

  • Potenzialanalyse des Hochstamm-Steinobstbaus im Kanton Basel-Landschaft PDF 1.3 MB

  • Homepage von HOCHSTAMM SUISSE >>>

 

Hochstamm-Obstgärten prägen die Landschaft

Der Mensch hat Obstgärten angelegt, um regelmässig mit wertvollen Früchten versorgt zu sein. Die Kultivierung und Veredlung der Wildobstbäume lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Baumgärten, die bis vor kurzem beinahe jeden Bauernhof und jedes Dorf säumten, dienten ursprünglich der Selbstversorgung. Im vorletzten Jahrhundert pflanzten die Bauern vielerorts auf freiem Feld ausgedehnte Hochstamm-Obstbestände, deren Früchte sie auch nach auswärts verkauften. Das Obst wurde frisch gegessen, gedörrt, im Keller gelagert, zu Most gepresst, zu Schnaps gebrannt oder eingekocht.

Im ganzen Land widmeten sich die Bauern der Nachzucht der Bäume. So entstand eine grosse Sortenvielfalt. Allein aus unserem Land sind etwa 1000 Apfelsorten bekannt. Jede Sorte hat ihre Besonderheiten: Die Früchte der einen reifen besonders früh, andere spät; die einen gedeihen besonders gut in tieferen Lagen, andere auch in höheren; die einen sind am besten frisch zu essen, andere lassen sich gut lagern.
Obstarten und Anbauformen sind regional sehr unterschiedlich verteilt. Für Obstgärten existieren verschiedene mundartliche, regional typische Bezeichnungen: Bungert, Bommert (Baumgarten), Hoschtet (Hofstatt) u.a. Sie zeigen, wie wichtig Obstgärten waren.

Apfelbaum
Kernfrucht; häufigste Obstart in unserem Land (43% im Feldobstbau), weit verbreitet.
Verwendung als Tafelobst oder als Rohstoff für Mostereien (Apfelsaft, Apfelwein) oder Brennereien (Schnaps, Sprit).
Apfelbaum mit breiter, rundlicher Form; etwa 1000 Sorten in der Schweiz.

Birnbaum
Kernfrucht; Anteil am schweizerischen Feld­obstbestand 15%, v.a. Luzern, Ostschweiz.
Tafelbirnen mit eher untergeordneter Bedeu­tung. Mostbirnen werden oft den Äpfeln zur Herstellung von Süssmost beigemischt und geben ihm ein besonderes Aroma.
Mächtige, birnenförmige Gestalt der Bäu­me. Etwa 500 Sorten in der Schweiz.

Kirschbaum
Steinfrucht; mit 20% Anteil am Hoch­stamm­bestand zweithäufigste Obstart unseres Landes; v.a. im Baselbiet und am Bielersee verbreitet.
Frischkonsum, Verarbeitung zu Konfitüre, zu «Kirsch» und Konserven.
Form des Kirschbaumes meist rund; etwa 600 Sorten in der Schweiz.

Zwetschgen-/Pflaumenbaum
Steinfrucht; über das ganze Land verbreitet (15% Anteil am Feldobstbau), besonders häufig im Jura.
Konsum der Früchte hauptsächlich in frischem Zustand, aber auch als Konfitüre und Dörrobst.
Bäume meist eher klein; etwa 450 Sorten in der Schweiz.

 


Wendehals
©Rolf und Sales Nussbaumer


 
     
 

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