Übergangsbereiche Wald – Kulturland: Rettung in letzter Minute?

Medienmitteilung des SVS/BirdLife Schweiz vom 20. März 2014

Einer der reichhaltigsten Lebensräume der Schweiz, die Übergangsbereiche Wald – Kulturland sind fast verschwunden. Die einst breiten, halboffenen Lebensräume zwischen Hochwald und Ackerland sind heute vielerorts auf eine Linie zusammengeschrumpft: den Waldrand. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz will in Zusammenarbeit mit Forstleuten, Waldbesitzern und Landwirten diesem faszinierenden Lebensraum zu einer neuen Zukunft verhelfen.

Wo geringelte Mordwanzen auf Neuntöter stossen

Geringelte Mordwanzen gehen in lichten Wäldern, Waldrändern und an grösseren Hecken auf die Jagd nach Insekten. Der Neuntöter brütet in der mit Hecken und Magerwiesen bestückten Kulturlandschaft. Das Insekt und der Vogel benötigen einen Lebensraum, der sich während Jahrhunderten grossflächig zwischen Ackerflächen und dem Hochwald ausdehnte. Es ist ein Lebensraum, der sich durch Bäume und Buschgruppen, aber auch blütenreiche Wiesen auszeichnete und das sowohl im Kulturland als auch im Wald. Da Tier- und Pflanzenarten sowohl des Waldes als auch des Kulturlandes und vor allem zahlreiche Arten, welche beide Lebensräume benötigen, darin vorkommen, ist dieser Lebensraum sehr artenreich.

Massiver Rückgang im letzten Jahrhundert

Der einstmals grossflächige Lebensraum ist innerhalb eines Jahrhunderts fast verschwunden. Aus dem lichten Wald in Dorfnähe wurde ein dunkler, dichter Hochwald und im Kulturland wurden vielerorts Hecken und Feldbäume entfernt und die Wiesen stark gedüngt. Übrig geblieben ist an den meisten Orten nur eine Linie: der Waldrand. Damit wurden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten fast ausgerottet. Überall dort, wo lichte Wälder geschaffen werden, verdoppeln bis verdreifachen sich die Artenzahlen bei Pflanzen und Käfern, was zeigt, wie gesucht solche Lebensräume sind.

Eine neue Chance für Übergangslebensräume

Mit der verstärkten Energieholzgewinnung im Wald und mit den seit Anfang Jahr geltenden Landschaftsqualitätsbeiträgen in der Landwirtschaft gibt es neue Möglichkeiten zur Förderung von Übergangslebensräumen Wald – Kulturland. In Randbereichen des Waldes können an weniger wüchsigen Standorten grössere Mittelwälder oder lichte Wälder geschaffen werden. Das angrenzende Kulturland kann mit Feld- oder Obstbäumen, Hecken und Magerwiesen ebenfalls in eine Tiefe von mindestens 100 bis 200 tief aufgewertet werden. Am besten startet man dort Projekte, wo auf der einen Seite entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind.

Gelingt dies, haben auch zahlreiche Schmetterlingsarten, Orchideen, Reptilien und z.B. auch der Wiedehopf wieder eine Chance. Der Wiedehopf hiess auf althochdeutsch Wituhoppe, was Waldhüpfer bedeutete.
 

Poster

Ein grosses Poster zu den Übergangsbereichen Wald – Kulturland kann beim Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz für Fr 5.- in Briefmarken bezogen werden. Interessierte senden ein an sich selber adressiertes C5-Couvert an: Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Postfach, 8036 Zürich

 

Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz vereint als nationaler Dachverband über 65‘000 Mitglieder, 18 Landesorganisationen und Kantonalverbände sowie 450 lokale Sektionen. Er setzt sich für den Schutz der Vögel und der ganzen Biodiversität im Kulturland, im Wald und im Siedlungsraum ein und führt zahlreiche Artenförderungsprogramme durch. Mit den Zeitschriften Ornis und Ornis Junior und den beiden BirdLife-Naturzentren in La Sauge am Neuenburgersee und Neeracherried im Kanton Zürich begeistert er viele Leute für den Schutz der Natur.

 


Bilder

Der SVS/BirdLife Schweiz will zusammen mit Landwirten und Waldbesitzern und Förstern vermehrt grössere Übergangsbereiche Wald – Kulturland schaffen.

Foto: SVS

Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden.


Halboffene Lebensräume bestehen meist aus den Elementen "extensive Weiden", "Kleinstrukturen", "Hochstamm-Obstbäume" und "Hecken" welche direkt an lichtere Wälder angrenzen.

Foto: SVS

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Der Wiedehopf hiess ursprünglich Wituhoppe. Dies bedeutet Waldhüpfer. Er braucht lichte, halboffene Lebensräume mit Höhlenbäumen und insektenreichen Wiesen oder Weiden.

Foto: © Marcel Ruppen

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Der Neuntöter, ein typischer Bewohner von Heckenlandschaften.

Foto: © Marcel Ruppen

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Geringelte Mordwanze

Foto: SVS

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SVS-Poster "Uebergangsbereiche Wald - Kulturland"

 


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Weitere Auskünfte

Christa Glauser, stv. Geschäftsführerin Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Tel. 044 457 70 24, christa.glauser@birdlife.ch