Der Sommer 2026 brachte in der Schweiz und in weiten Teilen Europas viel Hitze und Trockenheit. Hitzerekorde wurden gebrochen, in mehreren Ländern kam es zu schweren Waldbränden. Über die Hitze und die Dürre wurde in den Medien viel berichtet. Kaum erwähnt wurde dabei die Rolle der Natur und intakter Ökosysteme.
Vielerorts verfärbten sich Laubbäume bereits im August braun. Viele Bäume werden sich erholen, ein Teil davon wird aber absterben. In der Landwirtschaft gab es Produktionsausfälle. In den Städten litten die Menschen vor allem auf versiegelten Flächen an der Hitze. Etwas besser sah es lange Zeit dort aus, wo grössere Feuchtgebiete oder zum Beispiel ein Biberdamm das Wasser in der Landschaft zurückhielten. Intakte Ökosysteme – und ganz besonders die Feuchtgebiete – sind im Kontext des Klimawandels unsere besten Verbündeten. Sie speichern CO2 sowie Wasser und geben Letzteres langsam an die Umwelt ab. Allerdings können weder der Biber noch die wenigen in unserem Land verbliebenen Feuchtgebiete eine solch massive Trockenperiode vollständig ausgleichen – zumal die Feuchtgebiete in der Schweiz zu rund 90 % zerstört wurden und drei Viertel der verbliebenen geschützten Moore von nationaler Bedeutung nicht gesetzeskonform geschützt sind.
Man muss sich das vor Augen führen: Wir hatten einst sehr viele Feuchtgebiete, doch den grössten Teil davon haben wir zerstört. Und noch heute lassen wir ein grosses Synergiepotenzial beim Schutz der Biodiversität, beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel ungenutzt. Seit zehn Jahren liegt dem Bund eine Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der Kantone vor, die den Finanzbedarf für einen besseren Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung quantifiziert. Rund 285 Millionen Franken pro Jahr wären nötig gewesen, um die Biotope von nationaler Bedeutung gesetzeskonform und fachgerecht zu unterhalten und wo nötig zu sanieren. Gesprochen wurde ein Bruchteil. Das rächt sich heute. Die Ökosysteme, die wir im Klimawandel so dringend als widerstandsfähige Lebensgrundlagen bräuchten, sind stark beeinträchtigt. Statt die Gelder für die Natur, für unsere Lebensgrundlage, endlich auf das absolut notwendige Minimum zu erhöhen, haben Bundesrat und Parlament vor einem Jahr im Rahmen des sogenannten Entlastungspakets weitere Kürzungen beschlossen. Das ist grobfahrlässig.
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«Das Bild, das der Umweltminister und der Gesamtbundesrat abgeben, ist erschreckend.»Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz |
Vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass der Bundeshaushalt um Hunderte Millionen besser abschloss als erwartet. Das wäre die perfekte Gelegenheit für den Bundesrat gewesen, den Schutz unserer Ökosysteme zu verbessern – zugunsten von uns allen und von künftigen Generationen. Aber weit gefehlt. Der Bundesrat hat stattdessen eine Reihe kontraproduktiver Massnahmen beschlossen. Erstens möchten Bundesrat und Parlament mehr Geld im Bereich Naturgefahren ausgeben. Das ist notwendig und richtig, bleibt jedoch Symptombekämpfung. Kontraproduktiv ist, dass der Bundesrat vorschlägt, die zusätzlichen Gelder für die Naturgefahren mit einer Querschnittskürzung, die auch den Schutz der Biotope von nationaler Bedeutung umfasst, freizuschaufeln. Damit droht sich der Zustand unserer Ökosysteme weiter zu verschlechtern – womit auch die Gefahren weiter zunehmen.
Ende August hat der Bundesrat nach langer Funkstille endlich auf den Hitzesommer reagiert und Massnahmen vorgestellt. Aber auch hier hat er nur die Symptombekämpfung im Auge. Es ist richtig, dass Landwirt/innen entlastet werden. Heikel ist jedoch, dass dies mit mehreren Finanzierungsmodellen geschieht, die von der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) vor einigen Jahren als biodiversitätsschädigend identifiziert wurden.
Das Bild, das der Umweltminister und der Gesamtbundesrat abgeben, ist erschreckend: zu wenig, zu spät, und dann erst noch Symptombekämpfung mit negativen Auswirkungen auf die Wurzeln des Problems. Der Hitzesommer 2026 muss jetzt ein Weckruf sein, endlich mehr Sorge zu unseren natürlichen Lebensgrundlagen zu tragen. Ohne intakte Ökosysteme, ohne eine massive Investition in unsere Natur ist es unmöglich, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Deshalb braucht es jetzt eine starke Kurskorrektur und umfangreiche Investitionen in die Schweizer Natur.
Der Geschäftsführer Dr. Raffael Ayé fasst hier die Haltung von BirdLife Schweiz zu politischen Fragen zusammen.






