Medienmitteilung von BirdLife Schweiz vom 13.2.2026
Am Valentinstag dreht sich alles um Liebe und Treue. Kaum eine Vogelart steht dafür so sehr wie die Turteltaube – Sinnbild einer festen Paarbindung. Doch ausgerechnet ihre eigene Liebesgeschichte ist bedroht. Bereits 2020 machte BirdLife Schweiz auf den dramatischen Bestandsrückgang aufmerksam: Das Symbol der Liebe war damals in Gefahr. Sechs Jahre später bleibt die Situation ernst. Doch es gibt auch verhaltenen Grund zur Hoffnung.
Die Turteltaube lebt während der Brutzeit in stabilen Paarbeziehungen. Damit diese Paare erfolgreich Nachwuchs grossziehen können, sind sie auf geeignete Lebensräume mit ausreichend Nahrung angewiesen. Genau diese Voraussetzungen sind in den letzten Jahrzehnten jedoch zunehmend verloren gegangen.
Die Intensivierung der Landwirtschaft und der Rückgang artenreicher Kulturlandschaften haben die Art in vielen Regionen Europas an den Rand des Aussterbens gebracht. In der Schweiz ist der Bestand besonders stark eingebrochen: Heute brüten hierzulande weniger als 200 Paare. Für die einzelnen Vögel wird es dadurch immer schwieriger, geeignete Brutplätze zu finden und Junge erfolgreich aufzuziehen.
Früher boten unbefestigte Feldwege, Brachen und extensiv bewirtschaftete Äcker ein reiches Angebot an Wildpflanzen und Samen. Heute sind diese Nahrungsquellen durch hohe Nährstoffbelastung, Herbizideinsatz und intensive Bodenbearbeitung weitgehend verschwunden. Dabei sind gerade ein ausreichendes Samenangebot sowie offene Bodenstellen, auf denen die Turteltauben nach Nahrung suchen können, entscheidend für den Bruterfolg.
Vom Alarm zur Tat: Schutz zeigt Wirkung
BirdLife Schweiz ist deshalb vom Warnen zum Handeln übergegangen. Seit dem Start des europäischen Aktionsplans im Jahr 2018 werden gezielte Förderprojekte in den letzten Brutgebieten der Turteltaube umgesetzt. Ziel ist es, in unmittelbarer Nähe der Brutplätze extensiv genutzte, samenreiche Landwirtschaftsflächen zu schaffen.
Ein besonders wichtiges Gebiet in der Schweiz ist der Bois de Suchy im Kanton Waadt, eines der wichtigsten Rückzugsgebiete der Art. Dort setzt BirdLife Schweiz gezielte Fördermassnahmen um. Speziell gepflegte Brachen und nach der Ernte stehen gelassene Stoppelfelder bieten wieder geeignete Nahrungsflächen. Die ersten Erfolge sind ermutigend: In den Jahren 2024 und 2025 wurden rund zwanzig besetzte Reviere festgestellt. Ein klares Zeichen dafür, dass sich die Turteltaube erholen kann, wenn die Bedingungen stimmen. Die Turteltaube profitiert vor Ort auch von der Waldbeweidung mit Wisenten (bisons-suchy.ch).
Auch in der Magadinoebene setzt BirdLife Schweiz und ihre Landesorganisation Ficedula gezielte Massnahmen um – in der Hoffnung, dass sich der Bestand mittelfristig wieder stabilisieren und erholen kann. Noch in diesem Frühjahr wird darum eine erneute Erhebung den Erfolg messen.
Liebe braucht Einsatz
Zum Valentinstag erinnert BirdLife Schweiz daran, dass das Verschwinden der Turteltaube kein unabwendbares Schicksal ist. Wer die Schutzprojekte für diese Art unterstützt, trägt dazu bei, ein bedrohtes Symbol der Liebe und die vielfältigen Kulturlandschaften, von denen es abhängt, zu bewahren. In einigen Ländern beobachtet die international vernetzte Organisation in den letzten Jahren regionale Erholungen bei der Art. In der Schweiz ist die Entwicklung bisher weniger positiv.
- Privatpersonen können helfen, indem sie die Arbeit von BirdLife Schweiz unterstützen – etwa mit einer Spende für die Turteltaube oder durch Engagement für eine biodiversitätsfreundliche Agrarpolitik.
- Landwirtinnen, Landwirte und Grundeigentümer spielen in Schlüsselregionen eine zentrale Rolle, indem sie geeignete Flächen zur Verfügung stellen und sich an gezielten Förderprojekten beteiligen. Denn selbst die schönsten Liebesgeschichten brauchen gute Voraussetzungen. Geben wir der Turteltaube die Chance, auch in Zukunft noch von Liebe und Treue zu erzählen.
Weitere Informationen und Spendemöglichkeit: www.birdlife.ch/turteltaube
Gemeinsam für die Biodiversität – lokal bis weltweitBirdLife Schweiz engagiert sich mit viel Herzblut und Fachwissen für die Natur. Gemeinsam mit unseren 72’000 Mitgliedern, 430 lokalen BirdLife-Naturschutzvereinen und 19 Kantonalverbänden packen wir auf allen Ebenen für die Natur an. Wir fördern gefährdete Arten wie Steinkauz oder Eisvogel sowie ihre Lebensräume und geben der bedrohten Natur eine Stimme. Mit den BirdLife- Naturzentren, -Kursen und -Publikationen bilden wir aus, machen die Natur hautnah erlebbar und begeistern für ihre Förderung. Schlägt auch Ihr Herz für die Natur und die Vogelwelt? Engagieren Sie sich im BirdLife-Netzwerk: birdlife.ch/engagement |
Bilder
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Dieses Turteltauben-Paar tauscht Zärtlichkeiten aus – allerdings finden heute viele Turteltauben keinen Partner mehr, weil die industrialisierte Landwirtschaft ihnen vielerorts nicht mehr genug Nahrung lässt. Foto: Markus Varesvuo/naturepl.com Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
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Die Turteltaube ist nicht zu verwechseln mit der ähnlichen Türkentaube. Einst weit verbreitet, gibt es von der Turteltaube in der Schweiz heute nur noch eine kleine Population von rund 100 bis 200 singenden Männchen. Foto: Michael Gerber Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
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Als Brutlebensraum benötigt die Turteltaube strukturreiche Kulturlandschaften mit Einzelbüschen und Feldgehölzen, unbefestigten Feldwegen mit offenen Bodenstellen sowie vor allem ein reichhaltiges Angebot an samentragenden Pflanzenarten – wie hier im BirdLife-Projektgebiet Grosses Moos zu sehen. Foto: BirdLife Schweiz Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
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Brachen mit zahlreichen samentragenden Pflanzenarten sowie einer mosaikartigen Struktur aus Vegetation und offenen Bodenstellen bieten optimale Bedingungen für die Nahrungssuche der Turteltaube. Das Foto zeigt eine von BirdLife Schweiz entwickelte Brache. Foto: BirdLife Schweiz Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
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Auskünfte
Martin Schuck, stv. Geschäftsführer, martin.schuck@birdlife.ch, Tel. 076 609 23 12









