Baumpieper

Aargau: Kulturlandvögel im freien Fall

News / 7.10.2022

Auch im Hinblick auf die Planung der Ökologischen Infrastruktur wollte der Kanton Aargau genau wissen, wie es um ausgewählte Kulturlandvögel steht. Er startete daher ab 2018 ein spezifisches Avimonitoring im Kulturland. Daneben läuft seit 1999 jedes Jahr das reguläre Avimonitoring des Kantons.

Die neuen Zahlen, die der Kanton im Magazin «Umwelt Aargau» publizierte, sind alarmierend (siehe Kasten). Bei sieben der neun untersuchten Arten gingen die Bestände zurück, zwei Arten konnten sich auf sehr tiefem Niveau halten, und nur eine Art zeigte ein Wachstum. So nahm der Baumpieper von ehemals 521 Paaren (1985–1987) auf null bis fünf Paare (2018–2021) ab und ist somit faktisch im Kanton Aargau ausgestorben. Die Art ist auch sonst im ganzen Mittelland ausgestorben. Bei der Feldlerche sind von einst 500 bis 600 Bruten noch maximal 200 übrig, und beim Gartenrotschwanz ist der Rückgang besonders extrem: Zählte man in den Achtzigerjahren noch 705 Paare, sind es jetzt noch etwa 10. Auch der Wendehals hat den Kanton praktisch verlassen und brütet nur noch mal hier, mal dort. Der einzige Gewinner ist das Schwarzkehlchen, das in rund 15 Paaren vorkommt. Es profitiert wohl vom Klimawandel und den immer milderen Wintern.

Für alle diese Kulturlandarten sind noch viel mehr zielgerichtete Fördermassnahmen notwendig, wie sie zum Beispiel im Melerfeld von BirdLife-Sektionen zusammen mit Partnern durchgeführt werden. Den Rahmen bildet das kantonale Förderprogramm «Labiola», das die Bauern für Mehraufwände zusätzlich entschädigt. Vor allem aber muss sich die nationale Agrarpolitik rasch ändern – zumal die Rückgänge nicht nur den Aargau betreffen.
 

Anzahl Brutpaare im Kanton Aargau in den Achtzigerjahren und heute
 
   1985–1987  2018–2021
Baumpieper 521 0-5
Dorngrasmücke 69 max. 20
Feldlerche 500–600 max. 200
Gartenrotschwanz 706 ca. 10
Neuntöter 628 ca. 500
Schwarzkehlchen 3 max. 15
Wachtel 11 ca. 10
Wendehals 45 0-5
Zaunammer 36 ca. 40