Rostgänse © Michael Gerber

Nicht-einheimische Arten (Neozoen und Neophyten)

Um Probleme mit invasiven Neozoen und Neophyten zu vermeiden, fordert BirdLife von den zuständigen Behörden, dass sie die Bestände von absichtlich oder unabsichtlich in die Schweiz eingeführten, nicht-einheimischen Vogelarten gemäss den geltenden Vorschriften konsequent an der Fortpflanzung gehindert und aus der Natur entfernt werden.

Grundsätze

Natürlich eingewanderte Arten, z. B. aus dem Mittelmeerraum, sind einheimische Arten und dürfen sich ausbreiten – selbst dann, wenn sie gewisse Schäden verursachen sollten.

Der weltweite Warenverkehr hat jedoch Arten aus Ostasien, Nordamerika oder dem südlichen Afrika die Reise nach Europa und in die Schweiz ermöglicht. Viele dieser Arten überleben in unserem Klima gut. Einige dieser Arten vermehren sich daraufhin stark und verursachen wirtschaftliche Schäden oder bedrohen die Artenvielfalt – diese nennt man invasiv. Gewisse Arten wurden erst 100 Jahre oder noch länger nach ihrem erstmaligen Auftreten in Europa invasiv. Deshalb kommt der Prävention eine grosse Bedeutung zu. Es wäre schlauer, kleine Bestände nicht-einheimischer Arten sofort vollständig zu entfernen, statt zu zögern. Heute besteht bei einigen Behörden die Tendenz, ein Monitoring in Auftrag zu geben. Über viele Jahre ist jedoch auch ein einfaches Monitoring recht teuer – und unter Umständen muss dann Jahrzehnte später ein viel grösserer Bestand von grösseren Flächen eliminiert werden, weil sich die Art als invasiv herausstellt. Diese Ressourcen wären anderweitig besser investiert.

Besonders stark betroffen von der Problematik invasiver Arten sind aquatische Lebensräume. Auch hier kommt der Prävention allerhöchste Bedeutung zu.
 


Folgende Massnahmen sind prioritär:

  • Handel für kritische Arten unterbinden
  • Generell grosse Zurückhaltung bei der Einführung nicht-einheimischer Arten ausüben (Prävention)
  • Das Entweichen von Tieren aus Gehegen muss verhindert werden (Freiflug wo immer möglich unterlassen).
  • Entflohene oder ausgesetzte Tiere sollen sofort wieder eingefangen werden.
  • Wenn keine Alternative besteht, sollen eingeführte Tiere so schnell wie möglich geschossen werden.

BirdLife Schweiz setzt sich dafür ein, dass nur Massnahmen ergriffen werden, die dem Tier- und Naturschutz entsprechen.

Seit 2016 existiert in der Schweiz eine nationale Strategie zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten. Sie stützt sich auf nationale Zielvorgaben und internationale Verpflichtungen und zeigt die erforderlichen Massnahmen auf.


Rostgans

Rostgänse in der Schweiz sind auf Tiere zurückzuführen, die aus Park- und Weiheranlagen, aus Tiergärten oder privaten Volieren entkommen sind. Die erste Brut wurde 1963 aus Zürich gemeldet, seit 1987 brütet die Art in der Schweiz regelmässig. Ab 2005 starteten die Kantone Aargau und Zürich Massnahmen gegen die Art, die Bemühungen liessen jedoch später wieder nach.

Längst hat der Bestand in der Schweiz 1000 Individuen überschritten. Weil die Schweiz die Ausbreitung nicht verhindert hat und die Massnahmen international nicht koordiniert wurden, konnte sich die Rostgans zudem in ganz Mitteleuropa stark ausbreiten. Das Ziel, den Bestand massiv zu reduzieren, scheint kaum mehr erreichbar. Der geeignete Moment hierzu wurde verpasst. Deshalb erachtet BirdLife Abschüsse von Rostgänsen in sensiblen Gebieten oder gar in Schutzgebieten nur noch in Ausnahmefällen als zielführend.
 


Neophyten: Schwarze Liste und Vorwarnliste

Die Schwarze Liste ist die Liste der invasiven Neophyten, bei denen aufgrund des aktuellen Kenntnisstands ein hohes Ausbreitungspotenzial in der Schweiz gegeben oder zu erwarten ist. Zudem ist der Schaden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und/oder Ökonomie erwiesen und hoch. Vorkommen und Ausbreitung dieser Arten müssen verhindert werden und sollten weder angepflanzt noch verkauft werden. Einige der Arten stehen auch auf der Liste der verbotenen Arten, die per Gesetz nicht angepflanzt oder verkauft werden dürfen. Zudem gibt es eine Vorwarnliste.


Weitere Informationen zu den Neophyten