Medienmitteilung von BirdLife Schweiz vom 2. März 2026
Weltweiter Tag des Artenschutzes (3. März 2026)
Die Schweiz zählt zu den europäischen Ländern mit dem stärksten Verlust an Biodiversität. Mehr als ein Drittel aller bewerteten Arten steht auf der Roten Liste. Doch dort, wo Lebensräume gezielt verbessert werden, kehren Arten lokal zurück. Am Farnsberg im Baselbiet zeigt BirdLife gemeinsam mit Partnern seit 20 Jahren, dass wirkungsvoller Artenschutz möglich ist. Zum Tag des Artenschutzes vom 3. März steht dieses Erfolgsbeispiel im Fokus und soll zur Nachahmung anregen.
Die Schweiz hat sehr lange Rote Listen. Besonders stark vom Biodiversitätsverlust betroffen sind dabei die Arten der Kulturlandschaft – darunter Vögel, Reptilien und Insekten. Der Rückgang vollzieht sich nicht plötzlich, sondern schleichend: Mitten in unseren Landschaften sind viele Arten in den vergangenen Jahrzehnten Schritt für Schritt verschwunden, von vielen Menschen unbemerkt. Diese kleinen, aber kontinuierliche Veränderungen entziehen sich unserer Wahrnehmung. Was wir als «normal» empfinden, verschiebt sich mit jeder Generation. Dieses Phänomen wird als Shifting-Baseline-Effekt bezeichnet: Jede Generation hält den Zustand der Natur, den sie selbst kennt, für normal. So wundert sich heute kaum mehr jemand der jüngeren Generation darüber, dass nach einer Autofahrt kaum noch Insekten mehr an der Windschutzscheibe kleben – etwas, das früher alltäglich war.
Der Tag des Artenschutzes vom 3. März erinnert daran, wie verletzlich unsere Natur ist – und wie viel möglich wird, wenn wir handeln. Ein solches Beispiel für wirksames Handeln lässt sich am Obstgarten Farnsberg im Baselbieter Tafeljura erleben. Dort ist eindrücklich zu beobachten, wie gefährdete Arten zurückkehren, wenn man sie konkret fördert.
Arten kehren zurück
Seit 2004 arbeiten BirdLife Schweiz, BirdLife Baselland und lokale BirdLife-Naturschutzvereine am Farnsberg eng mit Landwirt/innen, dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain, den Gemeinden vor Ort sowie zahlreichen weiteren Partnern zusammen. Ziel ist es, eine strukturreiche Kulturlandschaft zu gestalten, in welcher die Produktion regionaler Lebensmittel mit wertvollen Lebensräumen für bedrohte Arten einhergeht. So sind vielfältige Hochstammobstgärten mit blütenreichen Wiesen, Hecken, gestuften Waldrändern und zahlreichen Kleinstrukturen entstanden.
Seit Projektbeginn konnte die Fläche der sogenannten Biodiversitätsförderflächen mehr als verdoppelt werden – ein grosser Erfolg. Deutliche positive Effekte bei den bedrohten Vogelarten zeigten sich jedoch erst, als BirdLife und die Projektpartner begannen, diese Flächen gezielt mit zusätzlichen Strukturen anzureichern: mit Hecken, Ast- und Steinhaufen, Buschgruppen sowie offenen Bodenstellen. Erst diese Kombination aus Fläche und Struktur ermöglichte es typischen Vogelarten der Kulturlandschaft wie dem Neuntöter oder dem Gartenrotschwanz, positiv auf die Massnahmen zu reagieren – eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt. So stieg die Zahl der Neuntöter-Reviere zwischen 2008 und 2024 von 6 auf 24. Der Gartenrotschwanz, der zeitweise gar nicht mehr nachgewiesen werden konnte, ist heute wieder mit 7 Revieren vertreten. Auch der Bestand des Trauerschnäppers entwickelt sich positiv. In einem Jahr konnte sogar eine Brut des seltenen Wendehalses festgestellt werden. Von den zahlreichen Massnahmen profitieren natürlich auch sehr viele andere Arten.
Zusammenarbeit ist entscheidend
Grundvoraussetzung für diese Erfolge ist die Zusammenarbeit – zwischen Art-Expert/innen, Landwirt/innen, den lokalen BirdLife-Naturschutzvereinen, den Gemeinden sowie weiteren beteiligten Akteuren. «Das Projekt Obstgarten Farnsberg zeigt, dass Artenschutz dann wirkt, wenn Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam an einem Strang ziehen – langfristig und auf der Basis gegenseitigen Vertrauens», sagt Jonas Schälle, Projektleiter des BirdLife-Projekts Obstgarten Farnsberg.
Von diesen Erfolgen konnten bereits weitere Projekte profitieren. Mehrere der am Farnsberg entwickelten Massnahmen wurden auf kantonaler Ebene in den Kantonen Basel-Landschaft und Aargau übernommen und in enger Zusammenarbeit mit BirdLife Schweiz weiterentwickelt. Damit wurde der Obstgarten Farnsberg zu einem echten Pionierprojekt: Massnahmen für den Artenschutz zunächst im Kleinen zu erproben und erfolgreiche Ansätze anschliessend in die Fläche zu tragen – genau das war von Beginn an das Ziel.
In diesem Frühling werden die Vögel am Farnsberg erneut gezählt. Die bisherigen Ergebnisse stimmen zuversichtlich, dass sich die Bestände gefährdeter Arten weiter erholen. Entscheidend ist nun, dass dieses Vorzeigeprojekt Schule macht – damit auch in den kommenden Jahren am Tag des Artenschutzes von weiteren erfolgreichen Beispielen und nicht nur von den langen Roten Listen der Schweiz berichtet werden kann.
Gemeinsam für die Biodiversität – lokal bis weltweitBirdLife Schweiz engagiert sich mit viel Herzblut und Fachwissen für die Natur. Gemeinsam mit unseren 72’000 Mitgliedern, 430 lokalen BirdLife-Naturschutzvereinen und 19 Kantonalverbänden packen wir auf allen Ebenen für die Natur an. Wir fördern gefährdete Arten wie Steinkauz oder Eisvogel sowie ihre Lebensräume und geben der bedrohten Natur eine Stimme. Mit den BirdLife- Naturzentren, -Kursen und -Publikationen bilden wir aus, machen die Natur hautnah erlebbar und begeistern für ihre Förderung. Schlägt auch Ihr Herz für die Natur und die Vogelwelt? Engagieren Sie sich im BirdLife-Netzwerk: birdlife.ch/engagement |
Bilder
|
|
Abwechslungsreiche Kulturlandschaft am Farnsberg, in der die Produktion regionaler Lebensmittel mit wertvollen Lebensräumen für bedrohte Arten einhergeht. Foto: BirdLife Schweiz Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
|
|
|
|
|
Wichtige Strukturen, wie Ast- und Steinhaufen, Buschruppen und Hecken in Kombination mit offenen Bodenstreifen bilden das Lebensraummosaik, dass viele unserer Vögel zum Überleben brauchen. Foto: BirdLife Schweiz Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
|
|
|
|
|
Nachdem der Gartenrotschwanz zeitweise ganz aus dem Gebiet verschwunden war, konnten 2024 wieder sieben Brutpaare festgestellt werden. Foto: Michael Gerber Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
|
|
|
|
|
Der Neuntöter konnte seinen Bestand dank der von BirdLife und Partnern umgesetzten Massnahmen zwischen 2008 und 2024 vervierfachen von 8 auf 24 Brutpaare. Foto: Michael Gerber Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
Medienmitteilung Download
Auskünfte
Martin Schuck, stv. Geschäftsführer, martin.schuck@birdlife.ch, Tel. 076 609 23 12









