Neue Nahrungsflächen für die Turteltaube in der Champagne genevoise.

Grosses BirdLife-Projekt im Kanton Genf gestartet

Mit gezielten Massnahmen für mehr Feuchtgebiete, Bio­diversi­tätsförderflächen und Gehölzstrukturen stärkt ein neues BirdLife-Programm die Vogelvielfalt im Kanton Genf. Die ersten Aufwertungen kommen bereits bedrohten Arten wie Grauammer, Turteltaube und Steinkauz zugute.

Die Biodiversität im Schweizer Mittelland ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv unter Druck geraten. Im Kanton Genf verlief die Entwicklung zwar ähnlich, dennoch ist die Situation im kleinen Kanton noch etwas weniger kritisch: So bestehen hier noch Brutvorkommen verschiedener gefährdeter Vogelarten, darunter einer der letzten Restbestände des Steinkauzes sowie bedeutende Populationen der Grauammer und der Turteltaube. Weitere bedrohte Arten wie die Dorngrasmücke oder der Orpheusspötter finden dank eines Netzes von Biodiversitätsförderflächen (BFF) ebenfalls noch geeignete Lebensräume.

Um diesen Reichtum zu bewahren, setzen der BirdLife-Kantonalverband Groupe Ornithologique du Bassin Genevois (GOBG) und BirdLife Schweiz seit letztem Jahr ein Projekt um, das auf mehreren Schwerpunkten basiert:

  • Wiederherstellung und Aufwertung von Feuchtgebieten
     
  • Verbesserung der BFF, insbesondere durch die Anlage von «Bird&Life»-Brachen (siehe Ornis 2/26) zur Förderung der Grauammer sowie von offenen Bodenstreifen innerhalb von Blühbrachen, die der Nahrungssuche der Turteltaube dienen
     
  • Erneuerung des Baumbestands durch Pflanzungen von Bäumen und Obstgärten sowie durch Pflege und Neuanlage von Hecken. 

 

Turteltaube
© Beat Rüegger


Erste Erfolge
Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Massnahmen bereits wirken. Aufwertungsarbeiten in einem Feuchtgebiet in Corsier, einer Gemeinde am Ostufer des Genfersees, führten zur regelmässigen Beobachtung von rastenden Watvögeln, nachdem das Gebiet aufgrund starker Verbuschung kaum noch als Rastplatz für ziehende Limikolen geeignet war. Insgesamt wurden dort im Frühling sieben Limikolenarten festgestellt, darunter Kiebitz, Dunkler Wasserläufer und Kampfläufer. Bekassine und Bruchwasserläufer nutzten das Gebiet sogar mehrere Wochen lang als Rastplatz.

Im April dieses Jahres wurden in Gebieten mit Grauammer-Vorkommen drei Brachen mit einer Gesamtfläche von 3,5 Hektaren mit der innovativen «Bird&Life»-Saatgutmischung angesät. Ziel ist es, das Nahrungsangebot und die geeigneten Lebensräume für diese besonders bedrohte Art langfristig zu verbessern. Diese Massnahme hat sich bereits in Pilotprojekten im Grossen Moos bewährt und könnte auf weitere Gebiete im Kanton Genf ausgeweitet werden.

Die offenen Bodenstreifen mit spontaner Vegetation sollen zudem Nahrungsflächen für die Turteltaube schaffen. Sie wurden in einem strategisch wichtigen Gebiet der Champagne genevoise angelegt und gleichen schrittweise den Verlust von offenen Lebensräumen aufgrund der Zuschüttung von alten Kiesgruben aus – Ersatzlebensräumen, die für diese Art heute essenziell sind.

Zahlreiche Bäume und Sträucher gesetzt
Auch die Erneuerung des Baumbestands schreitet voran. Nach der Mitwirkung an mehreren Projekten mit der Pflanzung von 105 Bäumen und 1104 einheimischen Sträuchern Anfang 2025 unterstützte das Projekt in diesem Frühling die Pflanzung einer Baumallee. Weitere Pflanzungen sowie Pflegearbeiten an Hecken und Obstgärten sind für den Herbst vorgesehen.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten, kantonalen Behörden und den Verantwortlichen der agroökologischen Netzwerke umgesetzt. Ziel ist es, die Attraktivität einer zugleich funktionalen und resilienten Agrarlandschaft für die Vogelwelt zu erhalten und zu stärken. Der Kanton Genf bestätigt damit seine zentrale Rolle beim Schutz der Kulturlandvögel in der Schweiz und wird seiner Verantwortung für den Erhalt mehrerer national bedrohter Arten gerecht.


Turteltaube
© Michael Gerber

 

Juni 2026