Medienmitteilung von BirdLife Schweiz vom 25.07.2026
Vom 27. Juli bis 1. August tagt das wissenschaftliche Gremium der Biodiversitätskonvention. Dabei zeigt sich: Bei den vereinbarten Zielen gibt es kaum Fortschritte. Laien gilt die Schweiz in Sachen Umwelt und Natur als Vorzeigebeispiel. Die Realität ist aber eine andere: Bei der Biodiversität sind wir weit abgefallen und inzwischen sogar das Schlusslicht in Europa.
In diesen Tagen trifft sich das wissenschaftlich-technische Organ der Biodiversitätskonvention (CBD SBSTTA) in Nairobi. Wichtiges Traktandum ist der globale Bericht zum Stand der Zielerreichung des Kunming-Montreal Global Biodiversity Frameworks, der im Oktober an der Parteienkonferenz der CBD verabschiedet werden soll.
Auslöser für die Biodiversitätskonvention, die 1992 am UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro verabschiedet wurde, waren das weltweite dramatische Artensterben und die fortschreitende Zerstörung von Ökosystemen durch die Menschen. In Einzelfällen hat sich die Situation seither leicht verbessert, doch insgesamt geht das Artensterben ungebremst weiter. Von 8 Millionen Arten sind heute bis zu einer Million vom Aussterben bedroht.
Auf dem internationalen Parkett engagiert sich die Schweiz an vorderster Front für griffige Massnahmen und transparente Berichterstattung. Auch beim Zustand der Natur sieht sich die Schweiz selbst gerne als Musterschülerin. Doch dies entspricht leider nicht den Tatsachen: Der Schweizer Biodiversität geht es schlecht. Fast die Hälfte der Lebensräume und mehr als ein Drittel der Arten sind gefährdet. Bei den Wildbienen sind gar 45% der heimischen Arten bedroht, fast 10% bereits ausgestorben. Im Vergleich mit Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien fällt die Schweiz deutlich zurück, unsere Roten Listen sind am längsten.
«Dass es in den umliegenden Ländern besser steht um die Natur, wird deutlich, sobald man über die Grenze ins nahe Ausland reist», sagt Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz. Die Landschaft ist weniger intensiv genutzt, es gibt viel mehr Strukturen wie Hecken, Einzelbäume, Mäuerchen und ungemähte Wiesenstreifen. «Plötzlich hört man überall Vögel singen, die bei uns vielerorts verschwunden sind, etwa die Dorngrasmücke oder den Gartenrotschwanz», so Ayé. Tatsächlich gibt es pro Quadratkilometer im grenznahen Ausland 25 Brutreviere mehr als bei uns, darunter von vielen Arten, die hierzulande gefährdet sind.
Biodiversität schützen für die Menschen
In den 1990er-Jahren ging es in erster Linie um die Erhaltung der biologischen Vielfalt an und für sich. Seiter ist das Wissen gewachsen, dass die Biodiversität für das Leben und Überleben der Menschen unentbehrlich ist. Die Zerstörung von Lebensräumen und der Verlust von Arten haben deshalb nicht nur ökologische, sondern auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Konsequenzen. Jede Wirtschaftsbranche ist in irgendeiner Form direkt oder indirekt von Biodiversität abhängig und beeinflusst diese auch, wie der Weltbiodiversitätsrat IPBES 2026 in seinem Business and Biodiversity Assessment zeigt.
Schlusslicht Schweiz
Die Schweiz hat die Biodiversitätskonvention 1994 ratifiziert. Gut 30 Jahre später fällt sie nicht nur beim Zustand der Natur, sondern auch bei den ergriffenen Massnahmen im internationalen Vergleich weit ab. Der zweite Aktionsplan zur Biodiversität, den der Bundesrat Ende 2025 verabschiedet hat, wurde im NBSAP-Tracker am schlechtesten bewertet von allen eingereichten Aktionsplänen. Auch beim Anteil Schutzgebietsfläche belegt die Schweiz den letzten Platz: Während der EU-Schnitt bei gut 26% liegt, ist es in der Schweiz auch bei grosszügiger Rechnung maximal halb so viel. Zudem verlieren die wertvollsten Schutzgebiete, die Biotope von nationaler Bedeutung, laufend an Qualität.
«Es ist Zeit, dass die Schweiz nicht nur ihr Image, sondern auch die Biodiversität poliert», so Raffael Ayé. Und: «Wenn die Biodiversität auch den künftigen Generationen als Lebens- und Wirtschaftsgrundlage zur Verfügung stehen soll, sind rasch massiv grössere Anstrengungen in allen Bereichen der Politik und Gesellschaft und deutlich mehr Finanzmittel nötig als bisher», betont er.
Bilder
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Anteil gefährdeter Arten in der Schweiz und in angrenzenden Ländern. Mit Ausnahme der Gefässpflanzen sind die Roten Listen in der Schweiz bei allen Organismengruppen länger als in den umliegenden Ländern Österreich, Italien, Deutschland und Frankreich. Quelle Grafik: BAFU/InfoSpecies (2023): Gefährdete Arten und Lebensräume in der Schweiz. Synthese Rote Listen. Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung und unter korrekter Angabe des Fotografen verwendet werden. |
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Auskünfte
Raffael Ayé, Geschäftsführer, raffael.aye@birdlife.ch, Tel. 076 308 66 84






