Jagdgesetz: Nationalratskommission will Schutzstatus von potenziell gefährdetem Vogel aufweichen

Medienmitteilung von BirdLife Schweiz vom 27.1.2026

Zum Entscheid der UREK-N vom 26.01 zur pa. Iv. 24.431, Bestandesregulierung des Gänsesägers

Die sogenannten Umweltkommissionen möchten den Schutzstatus des Gänsesägers schwächen und Abschüsse erleichtern. Doch die Forschung zeigt: Es ist der Mensch, der für den Rückgang der Fische verantwortlich ist und nicht fischfressende Vögel. Indem die Kommissionen den Gänsesäger ins Visier nehmen, ist weder den Fischen noch der Natur geholfen.

Mit ihrem gestrigen Entscheid folgte die Nationalratskommission (UREK-N) der Ständeratskommission (UREK-S) und sprach sich für die parlamentarische Initiative 24.431 von Ständerat Regazzi (Mitte, TI) aus. Mit dieser sollen Kantone mit Zustimmung des BAFU den Bestand des Gänsesägers regulieren können – angeblich, um dem Rückgang der Fischbestände entgegenzuwirken.

Doch die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass eine solche Massnahme nicht zielführend ist: Die Fischbestände sind nicht durch den Gänsesäger, sondern durch andere Faktoren gefährdet. Gemäss der umfassenden Studie der EAWAG im Auftrag des Bundes zur Thematik (2004)1 sind u. a. erhöhte Wassertemperaturen aufgrund des Klimawandels, die Schadstoffbelastung oder die schlechte Situation der Lebensräume dafür verantwortlich. Abschüsse von fischfressenden Vögeln erachtet die EAWAG deshalb als «nicht gerechtfertigt» und als einen «Eingriff in das ökologische Gleichgewicht».

Der Gänsesäger ist ein in der Schweiz einheimischer Brutvogel. Gemäss der Roten Liste ist er, wie auch beispielsweise die Bachforelle, «potenziell gefährdet». Mit aktuell 600 bis 800 Paaren ist der Brutbestand in der Schweiz relativ klein. Rund die Hälfte der Alpenpopulation des Gänsesägers brütet in der Schweiz. Diese Population ist geografisch und genetisch einzigartig. Die Schweiz trägt dadurch eine besondere Verantwortung für den Gänsesäger und seine genetische Vielfalt.

Vielen Fischarten fehlt es an Lebensraum, etwa geeigneten Laichgebieten. Um den Fischrückgang anzugehen, sind andere Massnahmen als Abschüsse gefordert. Dringend erforderlich ist insbesondere die Renaturierung der Gewässer. Diese ist seit 2011 gesetzlich verankert, doch liegt die Schweiz weit hinter dem durchschnittlichen Jahreszielwert zurück (20 km anstatt 50 km/Jahr). Statt die echten Probleme von Fischen, anderen Wassertieren und zahlreichen Vogelarten mit ausreichend Ressourcen für die Renaturierung und die Aufwertung der Lebensräume anzugehen, betreiben die sogenannten Umweltkommissionen mit dieser pa. Iv. kurzsichtige Symbolpolitik.

Raffael Ayé, Geschäftsführer BirdLife Schweiz: «Die Politik muss dringend weitere Massnahmen ergreifen, um die Gewässerlebensräume und die Wasserqualität zu verbessern. Indem die Kommissionen den Gänsesäger als Sündenbock verwenden, lösen sie diese Probleme hingegen nicht. Eine Aufweichung des Schutzstatus ist somit definitiv der falsche Weg.»

1 EAWAG (2004): Schlussbericht «Fischnetz». Dem Fischrückgang auf der Spur
 

Gemeinsam für die Biodiversität – lokal bis weltweit

BirdLife Schweiz engagiert sich mit viel Herzblut und Fachwissen für die Natur. Gemeinsam mit unseren 72’000 Mitgliedern, 430 lokalen BirdLife-Naturschutzvereinen und 19 Kantonalverbänden packen wir auf allen Ebenen für die Natur an.

Wir fördern gefährdete Arten wie Steinkauz oder Eisvogel sowie ihre Lebensräume und geben der bedrohten Natur eine Stimme. Mit den BirdLife- Naturzentren, -Kursen und -Publikationen bilden wir aus, machen die Natur hautnah erlebbar und begeistern für ihre Förderung.

Schlägt auch Ihr Herz für die Natur und die Vogelwelt? Engagieren Sie sich im BirdLife-Netzwerk: birdlife.ch/engagement

 


Medienmitteilung Download


Auskünfte

Raffael Ayé, Geschäftsführer, raffael.aye@birdlife.ch, Tel. 076 308 66 84